„Deine Sünden sind dir vergeben“ – Wer redet so, wenn er nicht Gott ist?

Lukas 5,20 und der göttliche Anspruch Jesu

„Und als er ihren Glauben sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben.“

(Lukas 5,20)

Die Szene ist dramatisch. Ein Gelähmter wird durch das Dach herabgelassen – seine Freunde sind so überzeugt von Jesu Macht, dass sie alle gesellschaftlichen Konventionen sprengen. Jesus sieht nicht nur die Not, sondern den Glauben. Und dann spricht er diese radikalen Worte:

„Deine Sünden sind dir vergeben.“

Mehr als Mitgefühl – ein göttlicher Anspruch

Auf den ersten Blick wirkt Jesu Aussage wie ein Akt tiefer Barmherzigkeit. Doch die anwesenden Schriftgelehrten reagieren sofort – nicht mit Freude, sondern mit Anklage: „Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?“ (V.21)

Und hier liegt der theologische Kern:

In der jüdischen Denkweise war Sündenvergebung ein göttliches Vorrecht – keine Delegationsaufgabe. Propheten konnten Heilung ankündigen oder auf Vergebung hinweisen, aber Sünden direkt vergeben? Das war ausschließlich Gottes Werk.

Indem Jesus diese Worte spricht, erhebt er einen Anspruch, der weit über jedes menschliche Maß hinausgeht:

Er beansprucht göttliche Autorität.

Sündenvergebung als Offenbarung seiner Identität

Jesu Antwort an die Zweifler in Vers 24 ist scharf und eindeutig:

„Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!“

Die Heilung ist nicht Selbstzweck – sie ist Beweis für das, was zuvor unsichtbar war:

Jesus hat tatsächlich die Vollmacht, Sünden zu vergeben. Die äußere Heilung dient der Bestätigung der unsichtbaren Realität.

C.S. Lewis fasst das in Mere Christianity treffend zusammen:

„Ein Mensch, der sagt, er könne Sünden vergeben, ist entweder Gott – oder er ist wahnsinnig oder schlimmer. Aber wir haben keine Grundlage, ihn einfach nur als einen großen Lehrer zu bezeichnen.“

Apologetische Bedeutung heute

Dieser Text ist von zentraler Bedeutung für das christliche Zeugnis über Jesus. Er zeigt:

Jesus ist nicht nur Heiler oder Lehrer, sondern beansprucht göttliche Autorität. Vergebung ist keine religiöse Formel, sondern ein göttliches Handeln – durch eine Person. Der christliche Glaube ist nicht nur moralisch, sondern ontologisch: Es geht um die Frage, wer Jesus ist.

Timothy Keller kommentiert dazu:

„Jesus stellt sich in die Mitte, wo Gott allein steht – nicht als Vermittler der Vergebung, sondern als ihr Ursprung.“

(The Reason for God, 2008)

Fazit

Lukas 5,20 ist kein Nebensatz. Es ist ein Schlüsselvers, der uns zwingt, uns zu positionieren:

Wer ist dieser Mensch, der die Sünden vergibt?

Wenn er es wirklich kann, dann ist er mehr als ein Mensch. Dann ist er Gott im Fleisch – gekommen, um das tiefste Problem des Menschen zu lösen: die Trennung von Gott.

Quellen:

Die Bibel (Lukas 5,20–24; Luther 2017) C.S. Lewis, Mere Christianity Timothy Keller, The Reason for God R.C. Sproul, Who is Jesus?



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